9:30 Uhr Eröffnung
(Andrea Bergsträßer, Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz)
9:35 Uhr Grußwort
(Dörte Schall, Ministerin für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz)
9:55 Uhr Politischer Impuls: Gesundheits- und pflegepolitische Herausforderungen
(Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz)
10:15 Uhr Keynote: „Pflege macht Karriere – und manchmal ’nen Doktor“
(Dr. rer.hum.biol. Peter Nydahl)
Pflege bietet mehr als einen sicheren Arbeitsplatz – sie eröffnet vielfältige Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Entwicklung. Der Vortrag zeigt auf, wie Karriere in der Pflege aktiv gestaltet werden kann – durch fachliche Kompetenz, kreative Projekte und gezielte Weiterbildung.
Anhand innovativer Konzepte aus der Intensivpflege wie Basaler Stimulation, Frühmobilisierung, Intensivtagebüchern, Delirmanagement und familienzentrierter Versorgung wird deutlich, wie Pflegepraxis durch eigene Impulse weiterentwickelt werden kann. Diese Ansätze stehen exemplarisch für das Potenzial, pflegerische Qualität zu fördern und zugleich individuelle Schwerpunkte zu setzen.
Darüber hinaus wird sichtbar, wie kreative Projekte – etwa eine Pflegefotostory, ein „Arzt aus Pappe“ oder humorvolle Videos aus dem Pflegealltag – neue Zugänge zur professionellen Identität und Teamkultur eröffnen können.
13:30 Uhr Feierliches Versprechen
Der Kinofilm „HELDIN“ hat etwas Besonderes geschafft: Er steht sinnbildlich für die Belastung im Pflegeberuf und war somit auch ein Sprachrohr für die Bedürfnisse des Pflegeberufs. Dabei gelingt es dem Film besonders gut den Spagat zwischen Professionalität auf der einen Seite und Belastung auf der anderen Seite darzustellen.
Der Film „HELDIN“ basiert auf einem Buch von Madeline Calvelage: Sie ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin und hat ihre Berufserfahrungen aus Krankenhäusern in verschiedenen Büchern aufgeschrieben.
Das Buch „Unser Beruf ist nicht das Problem. Es sind die Umstände.“ zeigt bereits deutlich die Verbindung zum Film „HELDIN“.
Im Rahmen dieser Session wird Frau Calvelage aus ihrem Buch vorlesen. Im Anschluss erfolgt auf der Bühne eine Diskussion zu dem berufspolitischen Verständnis von Frau Calvelage, wie es zum Film „HELDIN“ kam und wie Buch und Film miteinander verwoben wurden.
Dabei sind auch Fragen aus dem Publikum an die Autorin ausdrücklich erwünscht.
Weiterhin wird Frau Calvelage im Anschluss der Session für Signierungen am Stand der Pflegekammer zur Verfügung stehen.
Referentin: Madeline Calvelage
Zeit: 11:45-12:45
In einer zunehmend komplexen und dynamischen Arbeitswelt steht die psychiatrische Pflege vor neuen Herausforderungen. Der Begriff „New Work“ ist in aller Munde – doch was bedeutet er konkret für die psychiatrische Praxis? In meinem Vortrag werfe ich einen kritischen und gleichzeitig zukunftsgewandten Blick auf die Konzepte von New Work, deren Übertragbarkeit in (psychiatrische) Pflege Settings und die konkreten Implikationen für Führung, Teamarbeit und Versorgungsstrukturen. Anhand praxisnaher Beispiele aus dem LWL-Klinikum Gütersloh und eigener Forschungsergebnisse zeige ich auf, wie Einrichtungen aktiv eine neue Arbeitskultur gestalten können – partizipativ, digital und wertebasiert. Dabei beleuchte ich Chancen, Grenzen und notwendige strukturelle Voraussetzungen, um den Kulturwandel wirksam und nachhaltig zu gestalten. Ziel ist es, Pflegefachpersonen und Entscheidungsträger:innen gleichermaßen zu inspirieren, über das Bestehende hinauszudenken – und konkrete Impulse für den eigenen Arbeitsalltag mitzunehmen, um die Behandlungs- und Pflegequalität zu verbessern.
Referent: Prof. Dr.rer.medic. Michael Löhr
Zeit: 11:45-12:15
Der Titel „Transformation hin zu zeitgemäßer Zusammenarbeit und Führung“ spricht eine wichtige Herausforderung an: In einer Welt, die ständig im Wandel ist und dessen Geschwindigkeit immer mehr zunimmt – geprägt von VUCA (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit) – stellt sich immer wieder die Frage, wie Führung und Zusammenarbeit am besten gestaltet werden können.
Historisch gesehen gab es in der Arbeitswelt und somit auch im Gesundheitswesen immer wieder kleine Optimierungen, größere Veränderungen und tiefgreifende Transformationen. Heute befinden wir uns in einer Phase, in der eine umfassende Transformation der Zusammenarbeit und Führung möglich und notwendig erscheint.
Eine solche Transformation könnte dazu beitragen, flexibler, anpassungsfähiger, effektiver, effizienter und vor allem menschlicher zu arbeiten. Sie könnte neue Formen der Teamarbeit, Kommunikation und Entscheidungsfindung sowie der Führung ermöglichen, um den Herausforderungen des modernen Gesundheitswesens besser zu begegnen.
Im Vortrag wird es darum gehen, welche Chancen eine Transformation bieten könnte, um die Zukunft des Gesundheitswesens aktiv mitzugestalten und eine noch bessere Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.
Referent:innen: Dr. Andreas Einig & Madlin Hexel M.A.
Zeit: 12:15-12:45
Virtual Reality (VR) gewinnt als innovatives Lehr- und Lernmittel in der Pflegeausbildung zunehmend an Bedeutung. Der Vortrag beleuchtet zunächst den konkreten Einsatz von VR anhand einer Live-Demonstration. Anhand praktischer Szenarien, wie der Durchführung pflegerischer Maßnahmen oder dem Training von Handlungskompetenz, wird veranschaulicht, wie immersive Lernformate in der Ausbildung umgesetzt werden können. Im Anschluss werden erste Ergebnisse einer aktuellen Studie präsentiert, in der der Einsatz von VR in mehreren Pflegeschulen systematisch evaluiert wurde. Im Fokus stehen dabei die Effekte des VR-Einsatzes auf den Lernerfolg der Auszubildenden: Welchen Einfluss hat VR auf das Lernen? Wie nachhaltig sind die Ergebnisse? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich bei der Implementierung? Abschließend diskutieren wir gemeinsam mit dem Publikum, ob und wie VR langfristig zur Ergebnisverbesserung und Attraktivitätssteigerung in der Pflegeausbildung beitragen kann.
Referenten: Jared Sebhatu & Nick Wiese
Zeit: 11:45 Uhr – 12:45 Uhr
„Vorbehaltsaufgaben, Heilkundeausübung, erweiterte Heilkunde durch Pflegekräfte sind geregelt im Pflegeberufe- und zukünftig im Pflegekompetenzgesetz. Die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pflege soll dadurch auf eindeutige (rechtliche) Grundlagen gestellt und die Versorgung der Pflegebedürftigen noch besser sichergestellt werden. Allerdings sind die Vorbehaltsaufgaben bereits seit 2020 geregelt und waren auch schon vor 25 Jahren ein Thema. Doch nach wie vor hapert es an der Umsetzung. Daher ist der Blick auf die juristischen Vorgaben und Details notwendig, um zu klären, ob und wie eine Umsetzung im beruflichen Alltag schon erfolgt und wo noch Handlungsbedarf und eventuelle Risiken bestehen.“
Referent: Prof. Dr. Thomas Weiß
Zeit: 11:45-12:45
Mit der Einführung der ersten bundesweiten Fortbildungsordnung setzt die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ein starkes Zeichen für die Weiterentwicklung der professionellen Pflege. Ganz nach dem Motto „Pflege stärken – Zukunft sichern“.
Fortbildungen sind ein zentraler Baustein zur Sicherung und Weiterentwicklung pflegerischer Fachkompetenz. Die neue Fortbildungsordnung bietet hierfür praxisnahe und strukturierte Rahmenbedingungen, die eine kontinuierliche Qualifizierung ermöglichen – angepasst an die Anforderungen einer sich wandelnden Versorgungslandschaft. Doch was heißt das konkret? Wie lassen sich Fortbildungen sinnvoll in das Berufs- und Privatleben integrieren? Und inwiefern wirken sich Fortbildungen tatsächlich auf die pflegerische Praxis aus?
In dieser Session erhalten Sie einen Überblick über Inhalte, Hintergründe und Umsetzungsmöglichkeiten der neuen Fortbildungsordnung anhand praxisnaher Beispiele aus dem Berufsalltag. Wir bringen Ihnen näher, weshalb gezielte Fortbildungen nicht nur zur Stärkung der individuellen Handlungskompetenz beitragen, sondern auch die Versorgungsqualität verbessern, interprofessionelle Zusammenarbeit fördern und zur nachhaltigen Professionalisierung des Pflegeberufs führen.
Referent: Dipl. Päd. Christoph Becker
Zeit: 11:45-12:45
Mitdenken, mitreden, mitgestalten! Die interaktive Session zeigt praxisnah, wie Pflege durch Innovation, Kreativität und Weiterbildung zur individuellen Karriere wird – mit Beispielen, Austausch und eigenen Ideen für die berufliche Zukunft.
Informationen zu Studienmöglichkeiten, zur Rolle von Netzwerken und zu Wegen der Spezialisierung, ergänzen das Format. Ziel ist es, Auszubildende zu ermutigen, Pflege als ein Berufsfeld mit Perspektiven zu erleben – fachlich fundiert, praxisnah und offen für eigene Ideen.
Referent: Dr. rer.hum.biol. Peter Nydahl
Zeit: 14:15-15:15 Uhr
Führungsentscheidungen im Krankenhaus bewegen sich zwischen Effizienzanforderungen und dem Anspruch einer menschlich zugewandten Pflegepraxis sowie den Ansprüchen des Teams. Führungskräfte in der Pflege müssen täglich ökonomische Zwänge, gesetzliche Vorgaben und knappe Ressourcen mit ethischen und menschlichen Bedürfnissen in Einklang bringen.
Krankenhäuser gelten heutzutage mehr denn je als „permanent scheiternde Organisationen”, die aufgrund ihrer inneren Widersprüche stets versagen. Das DRG-System und ständige Reformen erhöhen den Druck, die Bürokratie und verschärfen die Probleme zusätzlich. Führungskräfte stehen somit vor der unlösbaren Aufgabe, steigende Anforderungen mit schrumpfenden Ressourcen zu erfüllen.
Der Vortrag zeigt auf, wie Führungskräfte trotz permanenter Überforderung konstruktiv und menschlich bleiben können, indem sie ihr Schicksal akzeptieren und aus der Fürsorge Kraft und Sinn schöpfen – ähnlich wie Camus’ Sisyphos, auch wenn dies unmöglich erscheint.
Referent: Prof. Dr. Werner Vogd
Zeit: 14:15-14:45 Uhr
Ausgangslage
Die Intensivpflege steht vor komplexen Herausforderungen und die Stationsleitungen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle. Sie befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen organisatorischen Anforderungen, Personalführung und Pflegefachlichkeit. Der Bedarf an erweiterten und integrativen Führungsstrategien nimmt stetig zu. Es stellt sich die Frage, ob bestehende Führungskonzepte den aktuellen Anforderungen noch gerecht werden oder ob alternative Modelle, wie eine duale Führung aus Pflegemanagement und Pflegepraxis einen geeigneten Lösungsansatz bieten können.
Methodik
Eine quantitative Befragung mit zwei standardisierten Fragebögen erfasste Aufgabenprofile von Stationsleitungen und Erwartungshaltungen an die Stationsleitung von Intensivpflegefachpersonen. Die Ergebnisse dienten als Basis zur Analyse des Konzepts der dualen Führung als mögliche Lösungsstrategie.
Ergebnisse
Die Stationsleitungen (N = 64) fokussieren ihr Aufgabenprofil primär auf organisatorische Tätigkeiten, während die Intensivpflegefachpersonen (N = 226) eine stärkere Integration pflegefachlicher Aspekte sowie pflegefachlicher Weiterentwicklung erwarten. Die Differenz lässt Rückschlüsse auf strukturelle Defizite im aktuellen Führungskonzept zu und weist auf das Potenzial einer dualen Führung hin.
Diskussion
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die derzeitige Aufgabenverteilung nicht vollständig den fachlichen Anforderungen an die Führungsebene entspricht. Die aktuelle Führungspraxis wird den komplexen Anforderungen der Intensivpflege daher nur eingeschränkt gerecht.
Fazit
Ein duales Führungskonzept bietet das Potenzial, Managementverantwortung und pflegerische Expertise gezielt zu vereinen. Duale Führung in der Intensivpflege stellt einen vielversprechenden Ansatz dar, um den bestehenden Herausforderungen wirksam zu begegnen und zugleich die Intensivpflege fachlich und strukturell weiterzuentwickeln.
Referentinnen: Jessica Kilian M.Sc., M.A. und Christian Dahlen
Zeit: 14:45-15:15
Im Berufsfeld Pflege besteht deutschlandweit ein Mangel an Lehrpersonen und entsprechend große Bedarfe an Qualifikationsangeboten für angehende Pflegepädagoginnen und -pädagogen. Zugleich sind die im § 9 Absatz 2 des Pflegeberufegesetzes (PflBG) formulierten Qualifikationsanforderungen an Lehrpersonen der beruflichen Fachrichtung Pflege deutlich gestiegen. Auch vor dem Hintergrund der Fachkräftesicherung in der pflegerischen Versorgung richtet sich der Blick nun insbesondere auf zukunftsweisende akademische Ausbildungswege angehender Lehrpersonen in den Pflegeberufen.
Neben dem Bachelor- und Masterstudium der Pflegepädagogik, das an vielen Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland angeboten wird und direkt zur Übernahme einer Lehrtätigkeit an Pflegeschulen führen kann, gibt es bislang nur in wenigen Bundesländern das Lehramtsstudium für berufsbildende Schulen der Fachrichtung Pflege, in dem neben Pflegewissenschaft als Erstfach ein weiteres, allgemeinbildendes Fach studiert wird. Das universitäre Studium ist mit der Möglichkeit des Eintritts in den Vorbereitungsdienst (Referendariat) verbunden, was eine Voraussetzung für die Übernahme einer regulären Tätigkeit als Lehrperson an einer berufsbildenden Schule darstellt. An der Uni Koblenz bietet das Institut für Pflegewissenschaft im Fachbereich Bildungswissenschaften diesen zuletzt genannten Studiengang an.
Der Vortrag gibt Einblicke in das Bachelor- und Masterstudium Lehramt Pflege an berufsbildenden Schulen in Koblenz, beleuchtet einzelne Schwerpunkte in Lehre und Forschung und zeigt verschiedene Karrierewege in der Pflegebildung und -wissenschaft auf.
Referentin:Dr. Miriam Läpple, RN
Zeit: 14:15-14:45 Uhr
Die „Digitale Bildungsoffensive Pflege“ (DiBiO-Pflege) in Rheinland-Pfalz fördert die digitalen Kompetenzen der Pflegelehrenden, um den Beruf attraktiver und zukunftsorientierter zu gestalten. Ziel ist es, die sich durch das Digitale verändernden Lebenswelten der von einer gesundheitlichen Versorgung betroffenen Personen sowie deren Angehörigen in den Bildungs- und Lernräumen von Pflege und Gesundheit zu fokussieren. Ebenso verändert das Digitale die pflegerische Versorgung selbst: Neue Technologien bieten Potenziale für die pflegerische Praxis. Schließlich verändert sich mit der Lebenswelt auch die Arbeitswelt und die beruflichen Perspektiven im Gesundheitswesen nutzen die durch das Digitale aufgespannten Netzwerke und Möglichkeiten. Um diese Aspekte in der Aus- und Weiterbildung der Pflege zu fördern, setzt DiBiO-Pflege auf eine digital geprägte Lehr- und Lernkultur mit selbstgesteuerten und projektorientierten Lernprozessen. Die digi2care-Studie zum Status quo der Digitalisierung von Pflege und Pflegebildung im Bundesland deckt Themenfelder auf, die in den Modulen des Bildungsangebots behandelt werden.
Das Bildungsangebot wird im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung (MASTD) des Landes Rheinland-Pfalz von der DIP GmbH durchgeführt und richtet sich an alle Pflegelehrenden im Bundesland. Es wird geleitet von Roland Brühe, Tobias Hölterhof und Frank Weidner.
Referent:Prof. Dr. phil. Tobias Hölterhof
Zeit: 14:45-15:15 Uhr
Ein Austausch über Verantwortung, Mitgestaltung und die Rolle der Pflegekammer in einer demokratischen Gesellschaft.
Pflege ist mehr als Versorgung – sie ist Teil unserer Gesellschaft und verdient eine starke, mitgestaltende Stimme. Doch wie lässt sich demokratische Teilhabe in der Pflege konkret gestalten? Welche Rolle spielen die Pflegekammern dabei – und welche Verantwortung tragen wir gemeinsam?
Prof. Dr. Winfried Kluth eröffnet die Session mit einem Impuls zur Funktion beruflicher Selbstverwaltung im demokratischen Rechtsstaat. Er beleuchtet, warum Körperschaften wie die Pflegekammer rechtlich legitimiert sind, was sie demokratisch auszeichnet – und warum ihre Akzeptanz auf aktive Beteiligung angewiesen ist.
Im Anschluss diskutiert er mit Dr. Markus Mai und Sandra Postel über die demokratische Funktion von Kammern, über Mitgestaltungsmöglichkeiten – und über die gemeinsame Verantwortung für eine starke berufliche Selbstverwaltung. Auch die anstehende Kammerwahl 2026 in Rheinland-Pfalz wird thematisiert.
Im Zentrum steht die Frage: Wie gelingt es uns, Pflege gemeinsam zu gestalten und Verantwortung für unsere berufliche Zukunft zu übernehmen?
Referent:innen: Dr. Winfried Kluth, Sandra Postel, Dr. Markus Mai
Zeit: 14:15-15:15 Uhr
Die Realität der Pflege ist sowohl für Pflegende als auch für Pflegeempfänger durch vielfältige Stressoren gekennzeichnet. Viele dieser Belastungen ergeben sich aus der Umsetzung rechtlicher Vorgaben und wirtschaftlicher Notwendigkeiten und sind auf der Makro- und Mesoebene verankert. Da diese Widrigkeiten häufig nicht direkt verändert werden können, müssen die Menschen innerhalb dieses Systems unmittelbar mit ihnen umgehen. Dafür bedarf es bestimmter innerer Stärken, die erfreulicherweise sowohl in den Pflegenden als auch in den Pflegeempfängern bereits angelegt sind. Die entscheidenden Stichworte lauten „Kohärenzgefühl“ und „Resilienz“. Ersteres ist ein Konzept aus der salutogenetischen Theorie von Aaron Antonovsky zur Entstehung und Förderung von Gesundheit. Letzteres stammt ursprünglich aus der Materialwissenschaft und wurde auf den Menschen und dessen Umgang mit den Herausforderungen des Lebens übertragen. Am Beispiel des Projekts RESI SALUTO soll aufgezeigt werden, wie kleine Perspektivwechsel sowie Rituale und Übungen dazu beitragen können, das Kohärenzgefühl und die Resilienz von professionell Pflegenden zu stärken. Entfalten sich diese beiden Dimensionen bei den Pflegenden, sind sie in der Lage, diese auch auf ihre Pflegeempfänger zu übertragen, deren Ressourcen mit denselben Mitteln zu fördern und sie besser bei der Bewältigung der Herausforderungen des Alterns und der zunehmenden Hilfebedürftigkeit zu unterstützen.
Referent: Dr.rer.cur. Daniel Tucman
Zeit: 14:15-14:45 Uhr
Wie kommen wir gut durch Krisen? Krisen gehören zum Leben. Doch wer resilient ist, übersteht schwere Zeiten besser und kann aus Krisen lernen. Resilienz hält uns psychisch stabil, ist sozusagen das Immunsystem der Seele. Lange Zeit wurde angenommen, Resilienz sei teilweise angeboren und von den Bedingungen des Aufwachens abhängig. Doch heute sagt die Forschung, man kann diese Superkraft auch trainieren. Denn auch wer Resilienzfaktoren nicht von Geburt oder Kindheit an mitbringt, kann diese selbst generieren und trainieren. Zum Beispiel indem man sich einen guten Freundeskreis aufbaut, sich eine optimistische Denkweise zu eigen macht und Akzeptanz und Achtsamkeit erlernt, dies sind wissenschaftlich schon ganz gut gesicherte Resilienzfaktoren. Mehr darüber, wie genau sie das seelische Immunsystem stärken und trainieren können erfahren sie in dieser Session.
Referentin: Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa
Zeit: 14:45-15:15 Uhr
Die berufliche Identität von Pflegefachpersonen bildet eine zentrale Grundlage professionellen Pflegehandelns. Sie entwickelt sich aus der fachlichen Kompetenz, der berufsethischen Haltung sowie der strukturellen Rahmenbedingungen denen Pflegefachpersonen begegnen. Sie ist entscheidend für den Glauben an die eigene Handlungskompetenz und fördert eine langfristige Berufsbindung.
In dieser Session steht die Frage im Mittelpunkt, wie Pflegefachpersonen ihr professionelles Selbstverständnis aktiv gestalten und mit Haltung und Stolz tätig werden können. Dabei stehen insbesondere die im Pflegeberuf verankerten Kompetenzen im Fokus. Die Kompetenzen bilden das Fundament, auf dem Pflege als eigenständige, verantwortungsvolle Profession agieren kann.
Es geht darum, das Berufsbild der Pflege zu stärken – jenseits traditioneller Rollenklischees – und die eigene fachliche Position selbstbewusst zu vertreten. Diese Session lädt Sie zu einer Reflexion über das eigene Rollenverständnis sowie die Bedeutung beruflicher Haltung ein – Berufsstolz als ein Antrieb für die persönliche und professionelle Entwicklung.
Gäste: Pascal Britz cand. M.A., Lisa Gareis M.Sc., Celine Schmitt M.Sc.
Moderation: Lisa-Marie Müller M.Sc
Zeit: 15:30-16:30
Helene Maucher stellt in ihrem Beitrag „Professionalität in der Pflegedirektion – ein Vergleich USA – Deutschland“ empirische Ergebnisse vor, die ein heterogenes Bild aufzeigen, da Deutschland im Vergleich zu den USA in der Professionalisierung des Pflegeberufs zurückliegt. Die Genüberstellung verdeutlicht, dass die Chief Nursing Officers (CNOs) in den USA andere Formen professioneller Identität aufweisen als die deutschen Pflegedirektorinnen und -direktoren. In ihren Grundhaltungen und Überzeugungen zeigen die CNOs eine klinische Orientierung, ein handlungsorientiertes Professionsverständnis sowie eine hohe Qualitätsorientierung. Sie agieren in autonomen Handlungsfeldern und sind gleichberechtigte Mitglieder im Klinikdirektorium. Zudem verfügen sie über ein stark ausgeprägtes berufliches Selbstverständnis, das ihnen ermöglicht, über den Tellerrand der Kliniken hinauszublicken und sich für globale Themen zu engagieren. Ihr Dienstleistungsverständnis entspricht den in den Führungstheorien beschriebenen Prinzipien des „Stewardship“. Im Hinblick auf Ökonomisierungsprozesse sind die amerikanischen CNOs besser vorbereitet. Im Gegensatz dazu orientieren sich die deutschen Pflegedirektorinnen und -direktoren vor allem an einem reibungslosen Ablauf, um „den Laden am Laufen zu halten“.
Referentin: Dr. Helene Maucher
Zeit: 15:30-16:00 Uhr
Inmitten des Fachkräftemangels und tiefgreifender Umbrüche im Gesundheitswesen wird deutlich: Personalgewinnung, -führung und -entwicklung sind weit mehr als bloße Managementtechniken. Sie entfalten ihre Wirkung nur dann nachhaltig, wenn sie auf einer tragfähigen Vision gründen – einer Vision, die sowohl Patientenorientierung als auch Mitarbeiterzentrierung ernst nimmt. Das Magnet-Modell der ANCC (American Nurses Credentialing Center) bietet hierfür einen wegweisenden Rahmen. Es zeigt, dass exzellente Pflegeeinrichtungen nur dann dauerhaft erfolgreich sind, wenn sie eine Kultur fördern, in der Pflegefachpersonen evidenzbasiert arbeiten können, klinische Autonomie erleben und aktiv in Entscheidungen eingebunden werden.
Diese Prinzipien sind kein Selbstzweck, sondern dienen einem klaren Ziel: bestmögliche Patientenergebnisse durch ein starkes, motiviertes Pflegeteam. Ohne eine solche strategisch verankerte Vision bleibt Personalmanagement reaktiv – der nächste Engpass ist vorprogrammiert. Erst durch die konsequente Ausrichtung an patientenzentrierter Versorgung, wissenschaftlich fundierter Pflegepraxis und einer wertebasierten Führung gelingt es, eine magnetische Anziehungskraft für Pflegekräfte zu entwickeln. Der Beitrag beleuchtet, wie das Magnet-Modell als strategischer Orientierungsrahmen dienen kann, um Personalprozesse nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil einer gemeinsamen Vision zu verstehen – für eine Pflege, die Menschen bindet, stärkt und bewegt.
Referent: Sebastian Dienst
Zeit: 16:00-16:30 Uhr
Das Land Rheinland-Pfalz hat bereits seit vielen Jahren gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen und in der Pflege die Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative (FQI) umgesetzt. Eine Grundlage dafür stellen die seit Jahren im Land etablierten Arbeitsmarktanalysen „Branchenmonitoring Gesundheitsfachberufe“ und die „Gutachten zum Fachkräftebedarf“ dar. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Corona-Pandemie, aber auch angesichts der digitalen Transformationen von Lebens- und Arbeitswelten haben sich die Anforderungen und Möglichkeiten allerdings noch einmal deutlich verändert.
Das Land setzt in der Folge nun seit Anfang 2025 gemeinsam mit vielen Verbänden und Organisationen die Fachkräftestrategie Pflege um. In vier zentralen Themengebieten geht es um eine Optimierung und Nachhaltigkeit in der Qualifizierung, Gewinnung sowie Bindung von Pflegepersonal im Gesundheits- und Pflegewesen. Zudem wird dem vierten Themenfeld „Digitalisierung und Innovation“ ein größerer Raum geschenkt.
In dieser Session wollen wir nicht nur Einblicke in die Grundzüge, Ziele und Arbeitsweisen der Fachkräftestrategie Pflege in Rheinland-Pfalz geben, sondern auch die Arbeit von KOMPASS.RLP als Projektstelle in Mainz zur Begleitung der Fachkräftestrategie vorstellen. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern vom zuständigen Arbeits- und Digitalisierungsministerium (MASTD), aus Verbänden, Hochschulen und von KOMPASS.RLP wollen wir die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen wie auch die Chancen zur weiteren Sicherung der gesundheitsbezogenen und pflegerischen Versorgung diskutieren.
Moderation: Prof. Dr. Frank Weidner
Referent:innen: Matthias Brünett M.Sc., Heiko Strohbach M.A., Dr. Andrea Kuhn, Sebastian Rutten (RA)
Zeit: 15:30-16:30 Uhr
Nicht erst die vergangenen Monate haben gezeigt, dass das Gesundheitswesen und damit die pflegerische Versorgung finanziell schwer in den Seilen hängt. Und allein die absehbare demografische Entwicklung in unserem Land wird zu einem steigenden Finanzbedarf führen, auch wenn man „Wirtschaftlichkeitsreserven“ an der einen oder anderen Stelle heben kann und muss.
Um überhaupt zu dem Punkt zu kommen, über die zukünftige Sicherstellung der Finanzierung diskutieren und streiten zu können, muss man die Mechanik und die strukturellen Grundlagen dessen verstehen, was hier als „doppelte Finanzierungskrise“ bezeichnet wird. Es muss darauf hingewiesen und erläutert werden, dass wir deshalb mit einer „doppelten“ Krise konfrontiert sind, weil die Finanzierungsprobleme in den beiden großen Säulen der pflegerischen Arbeit – also der Langzeitpflege und der Krankenhauspflege – in einem ersten Schritt getrennt voneinander betrachtet werden müssen. Zu unterschiedlich ist die Finanzierung in den beiden Bereichen und die Trennung ist wichtig, um die gegenwärtig diskutierten Reformvorschläge besser verstehen und einordnen zu können.
Erschwerend – und zugleich eine für die Profession Pflege entscheidende Herausforderung – kommt hinzu, dass man nicht stehen bleiben sollte bei der defensiven Frage, wie man das, was historisch gewachsen ist, gegen Abbau verteidigen kann oder wie man bei dem, was gerade (Stichwort Krankenhausreform, aber auch die Reform der Pflegeversicherung) an Veränderungen auf den Weg gebracht wird, irgendwie die Hand auch für „die“ Pflege heben kann. Vielmehr sollte und muss man neben einer klaren fachlichen Bestimmung des notwendigen Bedarfs an pflegerischer Versorgung und der Ableitung der dafür erforderlichen Ressourcen einen Schritt weiter denken und gehen: Was braucht die seit vielen Jahren diskutierte und geforderte Weiterentwicklung der professionellen Fachpflege im Sinne einer zukunftsorientierten Berufsfeldentwicklung an Ressourcen, die man im politischen Prozess auch einfordern muss? Wenn man das nicht mitdenkt und selbstbewusst seitens der Pflege als Profession auch ausformuliert, dann wird man sich verlieren in Rückzugsgefechten auf dem Schlachtfeld der absehbaren kurzfristigen Sparmaßnahmen und Umverteilungsoperationen, bei denen die Pflege im bestehenden System eher schlechte Karten hat. In diese Falle darf man nicht tappen.
Referent: Prof. Dr. Stefan Sell
Zeit: 15:30 – 16:30
Seit 2018 hat Anne Volmering-Dierkes in über 100 Fällen zu vermuteten Pflegefehlern Gutachten verfasst, mit der Frage, wie das jeweilige Pflegehandeln in Bezug zu fachlichen und professionellen Standards zu beurteilen ist. In den Gutachten wird weit mehr als die bloße Rückschau auf Pflegehandlungen geleistet. Fragen, ob ein Pflegefehler vorliegt, oder ob eine Maßnahme fachlich vertretbar war oder etwa gar unterlassen wurde, werden so mit spezifischem Fachwissen und Kenntnis der Pflegepraxis beantwortet.
Theoretisches Wissen zu Zivil- und Strafrecht wird mit beispielhaften Fällen zur Sachverständigenarbeit in der Pflege verknüpft. So gestaltet sich pflegerische Fallarbeit spannend wie ein Krimi.
Referentin: Dr.in rer.cur. Anne Volmering-Dierkes
Zeit: 15:30-16:00 Uhr
„Pflegefachpersonen sind täglich mit verschiedenen herausfordernden Situationen konfrontiert. Dazu gehören – neben medizinischen Notfällen, die schnelles Handeln erfordern – auch der Umgang mit aggressiven oder unkooperativen Patientinnen und Patienten. Das Risiko, in der Versorgungspraxis von externer Gewalt betroffen zu sein, ist hoch.
Ziel dieses Kurzvortrags ist es, sowohl Pflegefachpersonen als auch Entscheidungsträger in der Pflege für das Thema Gewaltprävention zu sensibilisieren. Es werden grundlegende Kenntnisse zur Gewaltprävention umrissen, die verschiedenen Formen von Gewalt sowie deren Ursachen erläutert und präventive Strategien vorgestellt.
Die Unfallkasse RLP und andere Unfallversicherungsträger beraten und schulen ihre Mitgliedsbetriebe zur Gestaltung sicherer und gesunder Arbeit und unterstützen Versicherte bei Gewaltereignissen am Arbeitsplatz.“
Referentin: Lorena Gleichauf M.Sc.
Zeit: 16:00-16:30 Uhr
Informationen zu einzelnen Speakern finden Sie HIER